Wie die Leopoldina die Politik berät

Shownotes

Der 14. Juli 2008 markiert einen Wendepunkt in der Geschichte der Leopoldina: An jenem Tag wurde sie zur Nationalen Akademie der Wissenschaften Deutschlands ernannt. Ein Foto zeigt die damaligen Amtsträger Bundespräsident Horst Köhler, Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer, Bundesforschungsministerin Annette Schavan und Leopoldina-Präsident Volker ter Meulen bei der Unterzeichnung der Ernennungsurkunde.

In dieser Folge sprechen Danny Weber und Daniela Schmidt darüber, was die Ernennung für die Arbeitsweise der Akademie bedeutet hat und welche Aufgaben seitdem hinzugekommen sind. Dabei geht es auch um den langen Weg bis zu diesem Moment – denn dass die Leopoldina Deutschlands Nationalakademie werden sollte, wurde lange Zeit kontrovers diskutiert, auch innerhalb der Akademie.

Zu Gast ist Henning Steinicke. Er leitet derzeit kommissarisch die Abteilung Wissenschaft – Politik – Gesellschaft (WPG) der Leopoldina. Im Gespräch erläutert er, wie die Akademie Politik und Gesellschaft berät und welche Spannungsfelder sich dabei auftun.

Sie haben Fragen, Anregungen oder möchten uns Feedback geben? Schreiben Sie uns gerne an: 1652@leopoldina.org

Mehr über die Arbeitsweise der Leopoldina als Nationale Akademie der Wissenschaften Deutschlands erfahren Sie auf unserer Website: www.leopoldina.org

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00:00:06: Hallo, schön dass Sie dabei sind.

00:00:21: Hier bei Sechzehn-Zweiundfünfzig heben wir Schätze aus der Bibliothek und dem Archiv der Leopoldina – der ältesten dauerhaft existierende Naturforschergesellschaft der Welt mit Sitz in Halle an der Saale!

00:00:33: Und Sechszehn zweiundfünftig so heißen wir weil das das Gründungsjahr der Leopoldiner ist.

00:00:39: Wir erzählen hier, wie das so war im Lauf dieser langen Geschichte mit der Akademie.

00:00:43: Mit Forschung und Wissenschaft, mit der Gesellschaft – und was all das heute zu tun hat!

00:00:49: Ich bin Daniela Schmidt, Journalistin und Moderatorin.

00:00:51: Ich darf sie durch diesen Podcast führen.

00:00:54: Und ich mache das aber nicht allein sondern habe in jeder Folge den Experten an meiner Seite wenn es um die Geschichte und die Bestände der Leopoldiner geht.

00:01:02: Ja, hallo mein Name ist Danny Weber von der Ausbildung Herr Wenig Archivar und ich leite heute die Abteilung Forschungsbibliothek und Wissenschaftsreflektionen der Leopoldina.

00:01:09: Und wir machen das hier heute mal nicht zu zweit sondern wir haben noch einen Gast bei uns nämlich Dr.

00:01:14: Henning Steinig!

00:01:15: Hallo vielleicht können Sie einmal kurz erzählen was machen sie denn bei der Leopol Diner?

00:01:19: Ich leite derzeit kommissarisch die Abteilung Wissenschaft, Politik und Gesellschaft.

00:01:23: Das ist die Abteilung für Politikberatung und ist Teil der Arbeitsakademie.

00:01:27: Das sind also die Schnittstelle der Wissenschaft zur Politik, zur Gesellschaft und auch zu den Akademiemitgliedern.

00:01:34: Und wir organisieren und versuchen wissenschaftliche Erkenntnisse in die politische Debatte zu bringen.

00:01:45: Und Sie kommen ins Spiel, Herr Steineke.

00:01:46: Weil es heute um eine ganz spezielle Aufgabe geht die die Leopoldiner neben vielen anderen erfüllt nämlich – ganz kurz gesagt und das klang ja auch gerade schon an – eine wissenschaftsbasierte Politikberatung.

00:01:56: Damit wir schon mal ne ganz ungefähre Vorstellung haben vielleicht können sie da so ein zwei Felder skizzieren, die die Akademieder zuletzt beschäftigt haben?

00:02:03: Also zur Transparenz für unsere Hörerinnen und Hörern will zeichnen diese Podcastfolge im Juni zwanzig sechsundzwanzig auf.

00:02:09: also Herr Steinike wo ist die Leopardina denn grade da besonders gefragt?

00:02:13: Ja, wir haben viele Themen aber zwei beschäftigen uns gerade sehr stark und das ist einmal das Thema soziale Medien und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.

00:02:22: Sehr heißes Thema derzeit!

00:02:23: Wir hatten uns schon im August zwanzig fünfundzwanzig dazu geäußert, haben ein Diskussionspapier veröffentlicht und es hat die politische Debatte sehr geprägt.

00:02:31: Ein zweites Thema was uns aktuell auch sehr stark beschäftigt ist das Thema Präventionen und Therapie von Adipositas.

00:02:39: Im Januar XXVI hat unsere Arbeitsgruppe schon ein kurzes sogenanntes Fokuspapier, einen Policy Brief vorgelegt.

00:02:45: Es heißt Prävention stärken und neue Therapieansätze nutzen.

00:02:48: wie lässt sich die RDPOSITAS Epidemie eindämmen?

00:02:52: Da folgt noch eine ausführliche Stellungnahme.

00:02:54: aber insgesamt ist das Gesundheitssystem überhaupt gesundheitstemm immer sehr stark im Fokus bei

00:02:59: uns.".

00:03:00: Und wieso was dann genau abläuft und wie entschieden wird welche Themen da jetzt auf den Tisch kommen, da hören wir gleich noch mehr darüber hier.

00:03:07: bei.

00:03:13: Jede Podcast-Folge startet ja mit einem Objekt aus der Bibliothek oder dem Archiv der Leopoldina, das Sie Herr Weber aussuchen und mitbringen.

00:03:20: Wir haben hier schon zum Beispiel ein Jahrhunderte altes Buch gehabt, dass wirklich Geschichte geatmet hat oder wir hatten so eine riesige schwere Mappe mit alten Mitgliederporträts – es war auch sehr beeindruckend!

00:03:30: Was ist denn heute?

00:03:32: Ja, heute habe ich einen Foto aus dem Jahr eight herausgesucht.

00:03:35: Das ist jetzt auf den ersten Blick im Vergleich zu den anderen Sachen die wir schon hatten ein bisschen enttäuschend, muss ich sagen.

00:03:42: Nein das würde ich so nie sagen!

00:03:44: Als Archivau oder auch als Bibliotheker wird man ja ganz oft nach dem wichtigsten oder den Lieblingsstücken gefragt und ich versuche dann immer zu erklären dass man sowas streng genommen nicht haben kann da es ja immer um die historische Frage geht mit der man sich beschäftigt.

00:03:57: und er kann ein einzelnes Foto mehr sagen als ein dickes Buch oder in einer aufwendig gestalteten Urkunde.

00:04:03: Und hier ist es so, dass dieses Foto ein sehr wichtiges Ereignis der jüngeren Geschichte der Leopoldina dokumentiert.

00:04:09: Okay, dann gucken wir uns das mal genauer an.

00:04:11: Also ich kenne auf den ersten Blick jetzt nicht alle Personen die da auf dem Foto sind aber einen erkenne ich auf jeden Fall nämlich unseren damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler.

00:04:20: Ja genau es sind vier Personen auf dem foto zu sehen.

00:04:23: in der Mitte an einem Tisch sitzt der damalige Bundespräsident Horst-Köhler.

00:04:26: das haben sie sehr richtig erkannt.

00:04:28: daneben zu seiner rechten Seite steht der damale Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt Wolfgang Bömer Und auf der anderen Seite steht der Präsident der Leopoldina, Vorkott Herr Möhlen und die damalige Bundesforschungsministerin Annette Schaban.

00:04:41: Das Foto ist aufgenommen worden am vierzehnten Juli im Rahmen eines feierlichen Festaktes.

00:04:46: Es war so gewesen, die gemeinsame Wissenschaftskonferenz eine Bund-Länder-Kommission, die die Wissenschaftsförderung von Bund und Ländern koordiniert hatte kurze Zeit vorher am achtzehnden Februar beschlossen der Leopoldina Aufgaben und Funktion einer nationalen Akademie der Wissenschaften zu übertragen.

00:05:03: Und mit diesem Festakt etwas später dann am fourzehnte Juli zwei tausend acht trat dieser Beschluss dann endgültig in Kraft

00:05:09: Und wir sprechen dann gleich noch darüber, wieso eine Nationalakademie eben in die Politik hineinwirken soll und kann.

00:05:16: Vorher wollen wir uns aber mal angucken, wie es überhaupt dazu kamen, dass wir heute diese nationale Akademie der Wissenschaften haben?

00:05:22: Denn – mal ehrlich Herr Weber!

00:05:24: Wenn wir ganz tief in die Geschichte gucken, dann war nicht unbedingt klar das ist so was mal geben würde

00:05:28: oder?!

00:05:29: Naja, zumindest ist die Geschichte in Deutschland ganz anders abgelaufen als in anderen europäischen Staaten und es liegt vor allem natürlich an der Tatsache dass Deutschland erst sehr spät als Nationalstaat zusammengefunden hat.

00:05:40: Es gab also eine sehr starke particulare Entwicklung in der deutschen Geschichte Und so ist es zunächst auch so, dass also erst mal regionale Akadämien entstehen.

00:05:50: Also angefangen mit der Gründung der bräusischen Akademie im Jahr seventeenhundert in Berlin oder die Göttinger siebzehnhunderteinfünfzig, die Bayerische siebzenneunfünfzig oder hier gleich in der Nähe von Halle Die Sächsische Akadémie gegründet im Jahr achtzehnsechsenvierzig und diese regionalen Akademien haben für das jeweilige Territorium die Funktion der gelehrten Gesellschaft übernommen.

00:06:11: Und so hat sich halt über die Jahrhunderte hinweg eine sehr vielgestaltige Akademienlandschaft mit sehr stark regionalen Akademin auf der einen Seite entwickelt und auf der anderen Seite stand schon immer die Leopoldina als etwas von den Regionalakademien unterschiedliches.

00:06:34: Die Diskussion wurde nach der Wiedervereinigung sehr intensiv geführt und eigentlich kamen der Anschluss auch nicht aus der Wissenschaft, sondern aus der Politik heraus.

00:06:41: Da war zum einen das Bedürfnis nach der Beratung durch die Wissenschaft – wenngleich man sagen muss, dass man schon damals – und so hat es der jetzt oder damalige Forschungsminister Riesenhuber auch mal ausgedrückt – nicht prinzipiell an Beratungsgremien es mangelte, sondern der Berater der Gutachter Dschungel nicht zur Klarheit beigetragen hat?

00:07:01: Und hier wollte man einfach für Klarheit sorgen!

00:07:03: Und man merkte ganz praktisch, dass es im internationalen Kontext an Repräsentanz der deutschen Wissenschaft fehlte.

00:07:09: Konkret sollte im Jahr twointzig eine Konferenz von Europäischen Nationalakademie in Stockholm stattfinden.

00:07:15: aber wen sollte man aus Deutschland schicken?

00:07:16: Es gab keine Nationalakademie!

00:07:18: Es gab also keinen Präsidentin oder keine Präsidentin die Deutsche, die die deutsche Wissenschaft hätte international vertreten können.

00:07:24: und Riesenuber hat den Vorschlag unterbreitet die Leopoldina schon in two-undneunzig zur nationalen Akademie der Wissenschaften weiterzuentwickeln, was die Leopoldiner aber nach also intensiver, interner und auch sehr kontroverser Diskussion abgelehnt hat.

00:07:38: Dabei ist es ja voll die riesen Ehre!

00:07:40: Also warum wurde das dann erst mal abgelehnd?

00:07:43: Ich glaube da gab's im Wesentlichen zwei Gründe.

00:07:45: Zum einen waren die Diktatur-Erfahrungen vieler Mitglieder noch so präsent dass man es ablehnte die Unabhängigkeit aufzugeben und sich in eine zunächst erstmal befürchtete zu starke Nähe zur Politik zu begeben.

00:07:58: Und der zweite Grund war, dass man sich außer Stande sah in kürzester Zeit die vorhandenen und sich vor allem aus der Geschichte der deutschen Teilung sich erklären den strukturellen und organisatorischen Defizite in sehr kurzer Zeit zu überwinden.

00:08:09: Also man musste zunächst erst mal daran denken die internen Strukturen zu reformieren.

00:08:14: Wenn wir nochmal ganz kurz auf die deutsche Geschichte schauen wenn man so will... Die Leopoldina ist ja seit neunzigdreien dreißig mit ihrem Sitz in Halle bis neunzentneinachtzig Also umgeben von Strukturen, von Diktaturen als der NS und dann der DDR-Diktatur gewesen.

00:08:28: Und da gab es einfach nachholende Bedarf die man intern erst mal lösen

00:08:31: musste.".

00:08:32: Und das ist ja auch ein bisschen Zeit vergangen vom twohneinzehnhundertzweiundneunzig bis zur tatsächlichen Ernennung zur Nationalen Wissenschaftsakademie zweihntausendacht?

00:08:41: Was ist dann in dieser Zeit passiert?

00:08:43: Mit der Absage der Leopoldina war das Thema nationale Akademie der Wissenschaften nicht erledigt, sondern wurde in den folgenden Jahren immer wieder von unterschiedlichen Seiten auf die Tagesordnung gesetzt.

00:08:53: Also vonseiten der Politik aber auch aus vonseitender Wissenschaft und man könnte sagen dass es eine diskursive Wellenbewegung war wo es mehrere Peaks zum Beispiel einen um die Jahrtausendwende gegeben hat wo aber letztlich die oft weit auseinander liegenden Interessen nicht zusammengebracht werden konnten.

00:09:12: Und so war es dann auch, dass es in dem Jahr ein möglicher Umsetzungsidee scheiterte und dann brauchte es eine entschlossene Reaktion der Politik, die sich Ende im Jahr für die Leopoldina als nationale Akademie entschieden und dies dann auch in der Folgezeit mit den notwendigen Gremienentscheidungen unterfütterte.

00:09:30: Es gab dann ja auch noch eine ganz konkrete Geschichte, die finde ich ganz cool über die, die Leopoldina sich für diesen Job quasi nochmal empfohlen hat.

00:09:37: Ja das stimmt!

00:09:38: Wie gesagt es gibt unterschiedliche Gründe warum die Leopoldiner nationale Akademie geworden ist aber es gab wenn man so will einen ganz konkreten Anlass.

00:09:44: das könnte man schon so sehen.

00:09:45: da geht's vor allem um den Aspekt dass die Leopardier bereits vor der Annennung zur nationalen Akadémie sich auf wichtige wissenschaftspolitische Fragestellungen eingelassen und in Stellungnahmen dazu geäußert hat und sie hat dadurch gezeigt, dass er sich auch aktiv an politischen Prozessen beteiligen kann.

00:10:03: Wenn man so will war da in Anführungsstrichen die Blaupause wie Politikberatung durch Wissenschaftsakademie funktionieren kann, die Erarbeitung von wissenschaftlichen Empfehlungen im Rahmen bzw.

00:10:14: im Vorfeld der G-Achttagung in Heiligendamm im Jahr sagen der G-Acht plus fünf Akademien zu dem Zeitpunkt, lag damals in den Händen der Leopoldina und die Akademie hat das sehr erfolgreich gemacht und dafür große Anerkennung bekommen.

00:10:34: Und dieses große Ding Nationalakademie ist das erstmal nur ein Titel oder anders gefragt?

00:10:39: Inwiefern hat denn diese Ernennung dann eben auch Veränderungen bedeutet in der Arbeit der Leopoldiner

00:10:45: Also in der Urkunde vom vierzehnten Juli, das heißt es dass die Leopoldina Aufgaben und Funktion einer nationalen Akademie der Wissenschaften übertragen bekommen hat.

00:10:54: Und so verdritt die Leopoldiner beispielsweise als nationale Akademie der Wissenschaftendurchlands, die deutsche Wissenschaft den internationalen Netzwerken.

00:11:02: sie schließt also genau diese Lücke, die im Jahr twohundneunzig vorhanden war als man sich fragte wer fährt denn zu dieser Konferenz nach Stockholm?

00:11:10: Und Sie berät unabhängig die Politik und die Gesellschaft zur Zukunftsthemen.

00:11:19: So und da, kleiner Trommelwirbel kommt unser Gast wieder ins Spiel.

00:11:23: Hallo noch mal Henning Steinicke, Kommissarischer Leiter der Abteilung Wissenschaftspolitikgesellschaft.

00:11:28: Hallo!

00:11:29: Wissenschaftsbasierte Politikberatung.

00:11:30: wie muss ich mir das vorstellen?

00:11:32: Also jetzt mal ganz leihenhaft ruf da jemand aus dem politischen Berlin bei Ihnen in Halle an und sagt hier hör ma wir haben ein Problem gebt uns mal einen evidenzbasierten Rat.

00:11:41: So läuft es wahrscheinlich eher nicht, oder?

00:11:43: Nein.

00:11:43: Nur in Ausnahmefällen.

00:11:45: Obers des Gut der Leopoldina ist die Unabhängigkeit.

00:11:47: Wir haben eben schon gehört man wollte nicht die Nähe zur Politik.

00:11:51: Und die UnAbhängigkeit ist immer noch oberstes gut.

00:11:54: das bedeutet dass unsere Mitglieder die Themen bestimmen zu denen die Leopolds arbeitet.

00:11:58: aber selbstverständlich wollen wir nicht an politischen und gesellschaftlichen Bedürfnissen vorbei arbeiten.

00:12:02: ansonsten nimmt uns keiner wahr.

00:12:04: Und da kommen dann nicht nur die Mitglieder der Akademie ins Spiel, sondern auch wir in der Geschäftsstelle.

00:12:09: Wir beobachten gemeinsam die politischen gesellschaftlichen Prozesse und Diskussionen, Debatten... ...und da wo die Wissenschaft einen Beitrag leisten kann, dann machen wir das meistens auch!

00:12:19: Aber klar es kommen auch mal Anfragen aus der Politik und wir werken dann genau ab ob wir uns dazu äußern wollen und in welcher Form wir das tun.

00:12:26: Auftragsarbeiten nehmen wir aber nicht an.

00:12:29: Das unterscheidet uns letztlich auch Beispielsweise von der US National Academy.

00:12:35: Aber so, wie wir keine Aufträge annehmen, so formulieren wir auch keiner.

00:12:39: Das heißt, wir beraten die Politik aber wir erteilen keine Handlungsaufträge und Oberstes Credo ist immer evidenzbasiert zu arbeiten.

00:12:47: Genau das ist ja das Stichwort.

00:12:48: was bedeutet Evidenz basiert in diesem Zusammenhang denn?

00:12:51: Bei allem was wir tun steht im Mittelpunkt dass das verfügbare Wissen zusammengetragen wird.

00:12:55: Wir forschen also nicht extra für eine Stellungnahme aber wir tragen das zusammen was da ist Und daraus formulieren wir Handlungsempfehlungen oder Handlungsoptionen, sofern das denn möglich ist.

00:13:06: Da wo es einfach noch sehr viele Wissenslücken gibt, da müssen wir das auch sagen – tun das auch?

00:13:11: Denn manchmal ist es schwierig wenn Akteure aus der Wissenschaft mehr Forschung für dies- oder das fordern.

00:13:16: aber umgekehrt macht's eben auch keinen Sinn zu sagen dieses oder jenes muss getan werden ohne dass die wissenschaftliche Unterfütterung fehlt.

00:13:24: Man kann aber wenigstens sagen, dass es nach aktuellem Kenntnisstand sich vielleicht so oder so verhält.

00:13:29: Nehmen wir mal das Beispiel Social Media was ich vorhin ansprach.

00:13:32: Nicht alle Effekte auf die Psyche von Kindern und Jugendlichen durch soziale Medien sind in großem Umfang schon erforscht Aber das was wir wissen Das gibt uns zumindest eine ungefähre Richtung vor Und lässt uns die Empfehlungen so formulieren wie sie im Diskussionspapier stehen Dass nämlich eine Altersgrenze für soziale Medien Für Kinder- und Jugendliche gut wäre Und um sicherzugehen, dass es verfügbare Wissen und möglichst auch viele Perspektiven einbezogen werden, richten wir unsere Arbeitsgruppen immer möglichst interdisziplinär aus.

00:14:04: Um ganz sicher zu gehen, wird dann jede Stellungnahme am Ende auch noch mal von externen Expertinnen und Experten begutachtet.

00:14:09: Also eigentlich eher ein wissenschaftliches Vorgehen.

00:14:13: Und erst wenn das alles passiert ist, dann schaut sich unser Präsidium das Papier an, schaut sich die Gutachten an, schaut sich die Reaktion der AG auf die Gutachten an und entscheidet dann ob das Papiers veröffentlicht wird oder nicht.

00:14:29: Der Treiber sind unsere Mitglieder!

00:14:31: Die Mitglieder der Akademie und die Fachkommission, die wir ja zu verschiedenen Themen eingerichtet haben.

00:14:36: Die Hauptaufgabe dieser Fachk Kommission ist die Themenfindung Und auch unsere Partnerakademien bringen manchmal Themen ein aber auch die werden dann erst noch intern bewertet.

00:14:46: Wir in der Geschäftsstelle bewerten zusätzlich die politische und gesellschaftliche Relevanz und fühlen der politischen Debatte im Themenfeld so ein bisschen auf den Zahn Und das alles fließt dann in ein Exposé ein.

00:14:56: Das ist so eine Art Projektantrag, wo die Antragsteller also die Personen, die in der Akademie das Thema anschieben wollen darin deutlich machen dass was sie genau eigentlich erreichen wollen und für uns es auch ganz wichtig zu wissen wen Sie eigentlich genau erreichen wollen.

00:15:13: Und das ist am Ende essentiell.

00:15:14: auch für die Beratungsarbeit braucht es den Gesetzgeber.

00:15:18: Dann müssen Papiere anders formuliert werden als wenn dass es eher eine Frage der Umsetzung der Praxis ist.

00:15:24: Am Ende entscheidet dann auch immer unser Präsidium auf dieser Basis, die vorgelegt wird ob ein Arbeitsgruppe eingerichtet wird oder nicht.

00:15:31: Ich würde das gerne mal ganz konkret durchgehen Schritt für Schritt also wie bekommt ein Thema einen Go und was passiert?

00:15:38: Dann vielleicht können Sie das mal anhand eines konkreten Beispiels erzählen.

00:15:42: Wir haben gerade ne aktuelle Arbeitsgruppen zum Thema Raumfahrt.

00:15:45: Raumfahrts ist ja in aller Munde Und daran kann ich das mal ganz kurz skizzieren.

00:15:50: Es werden derzeit eine Unmenge von Satelliten in die Umlaufbahn gebracht und in den Planungen, auch in der politischen Prioritätensetzung geht es eigentlich immer um noch mehr.

00:16:02: Und einige unsere Mitglieder, die sich speziell mit der oberen Atmosphäre beschäftigen haben uns dann auf die Folgen dieses Booms hingewiesen.

00:16:11: Das ist im Weltraum und in bestimmten Umlaufbahnen recht voll wird eigentlich schon langen Thema, international auch ist es beforst und wird als Problem gesehen.

00:16:20: Besonders die Gefahren von Weltraumschrott für andere Satelliten aber das Teile, die in der oberen Atmosphäre beim Wiedereintritt Verglühen Auswirkungen auf die Atmosphere haben und sich dort beispielsweise auch bestimmte chemische Verbindung anreichern, dass es politisch und gesellschaftlich kaum diskutiert.

00:16:37: Und die Relevanz lag für uns deshalb auf der Hand.

00:16:40: In Deutschland und Europa wird eine Regelung für die Raumfahrt gefeilt, gleichzeitig werden Förderprogramme aufgelegt – nicht zuletzt trägt ja auch unser Forschungsministerium inzwischen die Raumpfad im Namen.

00:16:50: Wir haben also intern analysiert welche Adressaten hierfür wichtig wären und gemeinsam mit den Mitgliedern ein Exposé verfasst.

00:16:56: Dieses wurde dann im November dem Präsidium erst mal diskutiert, dann verabschiedet, das wurde an AG eingerichtet und gleichzeitig haben wir ein internationales Fachsymposium für Anfang XXVI geplant und inzwischen auch durchgeführt, um noch weitere inhaltliche Expertise einzubinden.

00:17:13: Auf politischer Ebene haben wir es auch schon platziert.

00:17:16: da sind wir bereits mit entsprechenden Akteuren im Bundesministerium in Kontakt und auf der Ebene der G-Sieben wurde das gerade erst in Frankreich diskutiert Und hier sieht man auch schön wie nationale und internationale Politikberatung ineinander greifen.

00:17:29: Wir arbeiten eben nicht nebeneinander her und jeder macht so ein bisschen Science sondern wir versuchen immer möglichst viele Ebenen auch mitzudenken.

00:17:36: Und jetzt braucht die AG erstmal Zeit, arbeitet an einem Papier – das wird sicherlich auch noch ein bisschen dauern -, da unsere wissenschaftliche Mitglieder die Arbeit ehrenamtlich neben ihrem eigentlichen Job machen.

00:17:47: Auch so einen Unterschied zu anderen politikberatenden Institutionen.

00:17:50: Unsere Stellungnahmen werden nicht in der Geschäftsstelle geschrieben von Leuten, die sich irgendwie einarbeiten sondern von den jeweiligen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich auskennen in ihrem Gebiet.

00:18:00: Wenn die AG dann fertig ist, gibt es eine Begutachtungsrunde und dann wird sie hoffentlich verabschiedet und veröffentlicht.

00:18:07: Die eigentliche Beratungsarbeit geht aber erst noch mal los.

00:18:10: Das klingt als würde so ein Prozess ganz schön lange dauern?

00:18:14: Ja, in dem skizzierten Fall wird das nicht unter zwei Jahren gehen – manchmal dauert's sogar noch länger weil die Arbeitsgruppen auch einen Prozess der Positionsfindung durchlaufen.

00:18:23: Es ist nicht so, dass irgendjemand eine Idee hat oder die diktiert das dann und dann muss das alles nur noch aufgeschrieben und veröffentlicht werden.

00:18:31: Sondern es geht schon darum, interne interdisziplinäre Diskussionen zu führen.

00:18:36: Und insbesondere die Empfehlungen brauchen diese intensive Diskussion und die interdiszieplinären Perspektiven auf ein Thema.

00:18:45: Manchmal muss das auch durch Fachexpertise aus der Praxis, aus der Politik oder aus der Industrie angereichert werden – das passiert dann durch Anhörungen!

00:18:53: Ja und das alles ist wichtig, braucht aber Zeit.

00:18:56: Was ist denn wenn ich zum Beispiel ganz akuten Problem habe?

00:18:58: Nehme die Corona-Pandemie!

00:19:00: Und wenn da wissenschaftliche Empfehlungen gebraucht werden können sie ja nicht zwei Jahre warten.

00:19:04: Nee, das können wir dann nicht.

00:19:05: Das stimmt.

00:19:06: Wenn es besonders dringlich ist, dann bekommen wir solche Papiere auch in wenigen Wochen hin.

00:19:10: Das verlangt dann aber allen Beteiligten auch sehr viel Engagement ab dem Mitgliedern der AG genauso wie den Mitarbeitenden in der Geschäftsstelle.

00:19:18: Die Corona- Pandemie ist natürlich jetzt ein Extrembeispiel.

00:19:22: Da schauten alle auf uns.

00:19:23: Alle schauten auf das, was wir erarbeiteten und warteten und drängelten.

00:19:27: die Kanzlerin Angela Merkel äußerte sich damals öffentlich und sagte mehr oder weniger wirklich ich entscheide erst wenn nicht die Empfehlungen der Leopoldina vorliegen habe.

00:19:36: Das macht richtig schön Druck!

00:19:38: Wenn die Bundeskanzlerin so etwas sagt und die halbe Republik dann darauf wartet denn erhöht es natürlich enorm den Druck.

00:19:45: Das bedeutete Nachtschichten, Wochenendarbeit.

00:19:48: Größtes Engagement von allen Beteiligten und in solchen Fällen gibt es dann auch für alle kein Ostern und kein Weihnachten.

00:19:56: Und im Falle der Coronastellung nahmen mussten wir manchmal auch einige Schritte unserer internen Abläufe überspringen.

00:20:03: wenn man so unter Druck arbeitet Dann kann man nicht auf den nächsten Präsidiumstermin warten bis da ein Papier verabschiedet werden kann.

00:20:08: Da muss das dann schnell gehen im Umlauf und innerhalb weniger Stunden auch manchmal.

00:20:13: Wir wurden von einigen auch innerhalb der Mitgliedschaft, der Leopoldina für das Vorgehen und die Coronastellung nahmen kritisiert.

00:20:22: Aber wir haben viel gelernt dadurch.

00:20:24: Im Rückblick kann man dann Fehler erkennen aufarbeiten und zukünftig besser auf so was vorbereitet zu sein.

00:20:30: aber damals war eben niemand auf sowas vorbereitet.

00:20:33: Der Druck war riesengroß Die Erkenntnislage verändert sich praktisch stündlich Und was heute aufgeschrieben wurde konnte morgen schon überholt sein.

00:20:40: Aber am ehrlich zu sein, solcher Trockpapiere machen wir auch gar nicht so gerne und auch eher selten.

00:20:45: wichtig ist.

00:20:46: Und bleibt uns der Interdisziplinäre des Kursen die Qualitätssicherung?

00:20:49: Das unterscheidet uns von anderen.

00:20:53: Das kann man beschleunigen aber je mehr Zeit bleibt umso besser ist.

00:20:56: das

00:21:00: Corona ist aber Ein ganz gutes Beispiel, um der folgenden Frage mal noch nachzugehen.

00:21:04: Welche Spannungsfelder tun sich denn auf?

00:21:06: Wenn man als Akademie die Politik unabhängig beraten soll, schnell sein muss aber dabei auch den eigenen Standards genügen will?

00:21:14: und dann auch noch bei so einem aufgeladenen Thema?

00:21:17: Ja da sind schon viele Spannungshelder.

00:21:18: also das beginnt schon bei der Zusammensetzung einer AG.

00:21:22: Wer kommt da rein?

00:21:23: Sind alle Fachexpertiesen vertreten, die für das Thema relevant sind?

00:21:27: Fachgespräche gehen dann unter so hohem Druck auch nicht wie bei den Corona-Papieren, dass man dann irgendwie eine externe Expertise noch mal einbindet.

00:21:35: Bei normalen AGs kann man das aber alles machen und hierüber dann auch wertvolle Informationen sammeln.

00:21:41: Wichtig ist einen Grundsatz wer immer in der AG ist, der spricht für seine oder ihre Fachexpertise.

00:21:47: es geht nicht darum Meinungen auszutauschen zu Fachfremdenthemen und letztlich müssen sich daran alle AG Mitglieder halten Und da muss natürlich bei aller notwendigen Geschwindigkeit ein Prüferfahren innerhalb der Akademie möglich sein.

00:22:00: Das heißt, der Vorstand oder das Präsidium müssen sich das Papier anschauen können und noch kommentieren und freigeben können.

00:22:06: Wenn ein Papier für die Akadémie spricht, müssen auch die legitimierten Gremien der Akademie das dann entscheiden können.

00:22:12: Das geht aber auch mal schnell wenn es notwendig ist!

00:22:16: Letztlich muss in einer AG auch klar sein, wo die eigenen Grenzen liegen.

00:22:20: Wenn beispielsweise keine Bildungsexpertise in einer AG ist dann ist es schwierig sich zu Bildungsfragen zu äußern und eine AG hat natürlich auch eine Art von normativer Ausgangslage.

00:22:32: Die sollte man wenn möglich und nötig benennen.

00:22:34: Wenn Corona-Papieren war klar das Ziel war die Ansteckungsraten geringzuhalten.

00:22:39: Ja eigentlich Spannungen traten bei Corona aber erst nach der Veröffentlichung richtig auf.

00:22:45: So wie es bei einer FußballWM ein paar Millionen Bundstrainer gibt, so gab's bei Corona eben sehr viele selbsternannte Expertinnen und Experten in der Republik.

00:22:52: Und die wissen dann natürlich immer besser und haben natürlich ganz andere Empfehlungen.

00:22:59: Aber wenn man sichtbar ist und auch wirksam sein will, da muss man das auch aushalten.

00:23:03: Da wir immer wissenschaftlich argumentieren, haben wir meistens sehr gute Argumente.

00:23:08: An ihre Grenzen.

00:23:15: Ja, das ist schwer zu beantworten!

00:23:17: Ich würde behaupten dass jedes Papier irgendwie in der ein oder anderen Weise Wirkung entfaltet.

00:23:24: aber jedes unserer Papiere hat andere Ziele richtet sich an anderer des Ratengruppen und wir können es auch nicht wirklich messen wie die Wirkung ist.

00:23:33: Aber wenn wir ein Papier zur Auswirkung von sozialen Medien auf Kinder und Jugendliche herausbringen, anschließend nicht nur die Tagesschau drüber berichtet und die Ministerin sich äußert sondern wie auch ins Familienministerium eingeladen werden.

00:23:44: Und in etliche Landtage und auch im Bundestagsdebatten eine Rolle spielen dann kann man daran zumindest anektotisch die Wirkung ablesen.

00:23:52: Manchmal wollen wir aber auch einen noch sehr unterbelichteten Thema frühzeitig adressieren.

00:23:59: dann dauert es auch manchmal einfach sehr, sehr lange bis die Wirkung so richtig einsetzt und ablesbar wird.

00:24:05: Wir brauchen also manchmal einen ziemlich langen Atem für unsere Themen.

00:24:09: aber als Institutionen, die sechzehn-zweiundfünfzig gegründet wurde mit langer Geschichte haben wir den auch

00:24:16: Sie beraten die Politik dass sie diese Aufgabe überhaupt haben.

00:24:20: Das war ja auch eine politische Entscheidung und politische Entscheidungen können ja potenziell auch rückgängig gemacht werden, also wie stellen Sie denn sicher?

00:24:26: Dass die den Politikerinnen und Politikern nicht das erzählen was sie gerade brauchen oder was sie hören wollen?

00:24:32: Nein ich sage schon die Unabhängigkeit ist uns ganz besonders wichtig und nicht nur uns in der Geschäftsstelle sondern eigentlich auch allen Mitgliedern der Akademie.

00:24:41: Ja wir werden aus der öffentlichen öffentliche Hand finanziert aber diese Finanzierung ist nicht an irgendwelche Inhalte gebunden.

00:24:48: Wir vergeben auch einige wenige Preise, die von Stiftungen finanziert werden.

00:24:52: Aber auch hier gilt nur wir alleine wählen die Preisträgerinnen und Preisträge aus.

00:24:56: Wissenschaftliche Belange bleiben immer bei uns in der Hand.

00:25:00: Manchmal lehnen wir auch Dinge ab – wir schreiben oder evaluieren zum Beispiel keine Gesetze.

00:25:04: Solche Anfragen gab es schon aber es gibt ziemlich viele Ministerien, Ressortforschungseinrichtungen, wissenschaftliche Beiräte usw.

00:25:11: und sofort der Bundesregierung Und für solche Aufträge braucht man uns nicht.

00:25:15: Wenn solche Anfragen kommen, dann ist also klar da schwebt irgendein anderes Motiv mit.

00:25:21: vermutlich kann er nur mutmaßen aber vermutlich ist es der aus der Unabhängigkeit und Exzellenz resultierende Nimbus dieses Renommee der Leopoldina das da ein wichtiges Kriterium ist.

00:25:35: Aber trotzdem geht es uns schon auch darum, nicht jetzt am politischen Bedarf vorbeizuarbeiten.

00:25:40: Man kann ja schon zu Recht erwarten dass wir uns für den drängenden Fragen äußern da wir öffentlich finanziert werden.

00:25:46: Das bedeutet aber jetzt nicht das wir jemanden nach dem Mund reden.

00:25:49: ganz im Gegenteil.

00:25:50: manchmal laufen Empfehlungen auch ganz klar gegen die aktuelle politische Linie.

00:25:54: Die schreiben wir dann aber auch nicht um der Opposition zu gefallen sondern eben weil die Wissenslage so ist wie sie ist und wir daraus dann die Empfehmungen so ableiten Ja, das war eine politische Entscheidung die Leopoldinational-Nationalakademie zu machen.

00:26:06: Das ist richtig.

00:26:07: Dahinter lag aber letztlich der Wunsch der Politik eine unabhängig und wissenschaftsbasierte Beratungsinstitution zu haben.

00:26:16: Und es ist also geradezu finde ich zumindest auch Teil unseres Auftrags die Fahne eben nicht nach der politischen Großwetterlage auszurichten sondern auch unabhängig zu agieren.

00:26:26: Ja, das ist die Unabhängigkeit als einer der Grundsätze der Politikberatung.

00:26:31: Welche gelten denn dann noch bei der Leopoldine?

00:26:33: Also ich habe schon Dinge gehört wie transparent und voreingenommen Das sind so Schlagwörter, die klingen natürlich spitzenmäßig.

00:26:40: aber was bedeuten sie denn konkret?

00:26:42: Wir versuchen uns einem Thema meistens interdisziplinär zu nähern.

00:26:46: Das bedeutet nicht nur das Zusammenbringen von unterschiedlichen Perspektiven sondern das hilft uns auch dabei Einzelinteressen abzuschwächen.

00:26:55: Diese Freiheit von Einzelintressen, die ist für uns extrem wichtig und wir fragen natürlich auch immer mögliche Interessenskonflikte ab und verpflichten unsere Autoren alles offen zu legen.

00:27:08: Sollten Interessent konflikte bestehen wird dann intern abgewogen ob eine Person weiterhin mitmachen darf oder nicht?

00:27:14: Und insbesondere bei so vielen medizinischen Themen, bei neuen Therapien gibt es einen sehr schmalen Grad.

00:27:21: Weil es hier oftmals gerade auf die Expertise derer ankommt, die in Firmen arbeiten ihre akademische Forschung auch in die Translation bringen also wirklich in die Praxis bringen.

00:27:33: solche Leute brauchen wir dann.

00:27:34: manchmal können diese Personen da nur an Anhörungen angehört werden Aber manchmal dürfen die auch in speziellen Ausnahmefällen mitarbeiten.

00:27:45: Das hängt wie gesagt vom Einzelfall ab.

00:27:47: Außerdem schreiben wir die Transparenz ja groß, das ist ein weiteres wichtiges Kriterium.

00:27:53: Das heißt nicht alle kleinen Details werden jetzt veröffentlicht und schon gar nicht irgendwelche personenbezogenen Informationen der Autorinnen und Autoren.

00:28:00: aber wir beschreiben schon sehr ausführlich wie so ein Papier entsteht.

00:28:03: wer war Teil der AG?

00:28:05: Wer wurde zusätzlich angehört?

00:28:06: Wer hat das Ganze begutachtet.

00:28:08: Und zur Transparenz gehört dann auch die wissenschaftliche Nachvollziehbarkeit.

00:28:13: Das heißt, unsere Papiere sind auch immer eine Sammlung der aktuellen relevanten Literatur.

00:28:18: Das ist der Vorteil wenn man mit absoluten Ausnahmeleuten an solchen Papieren arbeitet.

00:28:22: das könnten wir in einer Geschäftsstelle in der Tiefe so gar nicht alles nach recherchieren und auch einschätzen.

00:28:28: So sind unsere Aussagen auch immer nachvollziehber- und überprüfbar für Leserinnen und Leser Und letztlich reflektieren wir auch selbstständig über unsere Prozesse.

00:28:38: Ich sagte ja schon, dass wir zum Beispiel aus den Corona-Papieren viel gelernt haben – die Selbstreflektion ist also ebenfalls sehr wichtig!

00:28:50: Ja und so eine Selbstreflexion geht ja nicht nur rückwärts, sie geht ja irgendwie vorwärzt.

00:28:53: Die Leopoldina macht diesen Job der Politikberatung ja schon eine ganze Weile.

00:28:57: Was hat sich denn verändert in all diesen Jahren?

00:29:00: Woran wurde da geschraubt?

00:29:01: vielleicht auch an bestimmten Formaten?

00:29:03: Und was ändert sich perspektivisch noch?

00:29:08: In den letzten Jahren gab es erst mal nicht so wahnsinnig viel.

00:29:12: Man hatte Erfahrung mit einigen Damm, aber diese notwendigen Abteilungen, Prozesse und so weiter, das wurde erst nach und nach aufgebaut.

00:29:23: Und es enthielt sich stetig erstaunlich viel!

00:29:27: Immer wieder überlegen, ob wir ein Format noch so passend haben wie wir es brauchen.

00:29:32: Oder wenn wir merken dass bestimmte Dinge nachgefragt werden die wir vielleicht nicht bieten können dann müssen wir natürlich auch nachziehen.

00:29:39: Wir haben heute einen sehr großen Köcher an unterschiedlichen Instrumenten Stellungnahme Diskussionspapier Policy Briefs und so weiter und sofort.

00:29:46: Und da muss man nach ein paar Jahren schon auch mit bisschen Abstand reflektieren braucht das eigentlich alles noch?

00:29:52: Das tun wir gerade Als die Leopoldina Nationalakademie wurde, da war es das erste Mal, dass es so was in Deutschland gab.

00:30:01: Wir haben also über die Jahre erstmal selber sehr viel gelernt und wir haben unsere Prozesse professionellisiert.

00:30:06: Wir schaffen Abläufe, interne Abläufen.

00:30:10: Aber wir dürfen nicht vergessen auch die Politik und die Gesellschaft verändern sich erständig.

00:30:14: Und wir müssen uns schon immer damit auseinandersetzen wie wir Politik und Gesellschaft erreichen.

00:30:20: Wir können uns also nie zurücklehnen und sagen, super jetzt haben wir alles.

00:30:24: Dann die nächsten zwanzig Jahre.

00:30:25: kann jetzt alles so bleiben.

00:30:27: Es wäre fantastisch aber das ist ein dauernder Entwicklungsprozess.

00:30:31: Seit wenigen Jahren haben wir es mit KI zu tun, die total hilfreich sein kann gerade wenn wir die Fleißarbeiten erledigen müssen.

00:30:38: dann kann KI jetzt mal schauen sind die Referenzen in einem Papier alle in der richtigen Form usw.

00:30:44: Aber wer weiß wie sich unsere Arbeit hier durch langfristig verändern wird?

00:30:48: Themen werden uns auf jeden Fall nicht abhanden kommen, aber es gibt schon viele die beklagen dass die Wissenschaft in der Politik eine zu geringe Rolle spiele.

00:30:57: Ich sehe das ehrlich gesagt nicht so.

00:30:59: ich glaube die Komplexität der Probleme ist enorm gestiegen und die Lösungsansätze die wir dafür suchen und finden müssen für sie braucht es die Wissenschaft und ich persönlich nehme es im politischen Umfeld auch so wahr dass unsere Expertisen auch dankbar genutzt werden und entgegengenommen werden.

00:31:19: Und es hat alles seinen Anfang genommen, sechzehn, zweiundfünfzig und nach ganz vielen Zwischenschritten bei diesem Moment zwei tausend acht der auf diesem Foto zu sehen ist das wir uns heute angeschaut haben.

00:31:28: in unserer heutigen Folge die Ernennung der Leopoldiner zur nationalen Akademie der Wissenschaften Herr Steinicke ist uns jetzt noch was liegen geblieben was unsere Hörerinnen und Hörern unbedingt noch wissen sollten.

00:31:39: zur Politikberatung

00:31:41: Ich habe immer was auf dem Herzen liegen, was ich gerne betone.

00:31:45: Und das, was mir besonders wichtig ist zu betonen, dass Wissenschaft eben bedeutet, immer den Stand des Wissens zur Hinterfragen!

00:31:53: Hypothesen gelten immer so lange als Fakt, bis sie irgendwann wieder erlegt werden können.

00:31:57: Und das sage ich ganz besonders all denen sehr gerne die gerade eben aus den sozialen Medien erfahren haben dass die globale Elite irgendeine bahnbrechende Erkenntnis unterdrückt oder um es mal über Spitz zu sagen, dass die Erde eine Scheibe ist oder Impfungen Autismus auslösen.

00:32:13: Das Gegenteil ist der Fall!

00:32:14: Die Wissenschaft ist frei und sie muss es auch bleiben.

00:32:17: Wissenschaft verändert sich nicht mit Wahlergebnissen aber klar.

00:32:22: Natürlich ändern sich gesellschaftliche Schwerpunkte und da haben wir auch eine Bringschuld zu leisten, aber eben ohne unsere Unabhängigkeit aufzugeben.

00:32:30: Oder auch nur politische Entscheidungen unter dem Degmenterchen der Wissenschaft irgendwie zu legitimieren.

00:32:35: Denn letztlich ist die freie Wissenschaft, finde ich zumindest Grundlage unseres Wohlstands hier in Deutschland.

00:32:42: als Nationalakademie in so einer politischen Landschaft, die auch manchmal sehr aufgeheizt ist müssen wir uns schon immer vor Augen führen dass wir diese Unabhängigkeit haben im internationalen Vergleich durchaus ein Privileg ist.

00:32:55: Die müssen wir auch verteidigen und mit mir meine ich jetzt nicht nur die Geschäftsstelle der Leopoldina oder die Mitglieder der Leopoldiner, sondern alle müssen das Verteidigen, dass das Wissenschaftssystem so frei es wie es ist.

00:33:06: Wir können Dinge offen formulieren ohne Angst haben zu müssen.

00:33:09: Natürlich dürfen wir der Politik keine Vorschriften machen aber wir können den Fingern die Wunde legen und Vorschläge machen, wie man aus Sicht der Wissenschaft vorgehen sollte – das ist unsere Kernaufgabe!

00:33:21: Entscheidungen treffen dann in der Demokratie mal andere, aber wenn Politikerinnen und Politiker anders entscheiden, dann sollten sie zumindest nachvollziehbar begründen können warum Sie das tun.

00:33:31: Das leuchtet sehr ein ja!

00:33:32: Und auch diese große Thema Wissenschaftsfreiheit und warum die so irre wichtig ist.

00:33:36: dazu gibt es auch noch eine extra Folge hier bei sechzehn zwei im fünfzig da sprechen wir mit der Akademiepräsidentin wie's denn da aktuell aussieht.

00:33:43: Herr Weber haben wir denn aus historischer Sicht alles für diese Folge?

00:33:48: Wir haben jetzt sehr schön gehört von Hennigsteinige, was sich so nach dem Jahr two-tausend acht alles geändert hat.

00:33:53: Was man neu aufbauen musste und ich würde natürlich aus historischer Sicht noch gerne mit Also etwas Augenzwinkern anmerken, dass ja von Anfang an Gesellschaftsberatung gemacht werden sollte.

00:34:03: Was sich sehr schön in den ersten Statuten der Akademie bereits zeigt und was man auch am Wahlspruch der Leopoldina nämlich die Wissenschaft zum Wohle der Menschheit zu betreiben seit der Gründungszeit ganz klar ablesen kann.

00:34:14: Und da haben wir doch einen wunderbaren Bogen geschlagen!

00:34:17: Ich danke Ihnen beiden.

00:34:18: also ich finde man konnte ja heute wirklich gut sehen das Wissenschaft hat sich eben nicht im abgeschlossenen Elfenbeinturm abspielt.

00:34:24: Nicht nur unter so einem Haufen Nerds oder auf Symposien irgendwelche Sachen machen, sondern das Wissenschaft eben was macht mit unser aller Leben.

00:34:32: Indem auch die Leopoldiner sie in die konkrete Politik hineinträgt.

00:34:36: Herr Steinke, Herr Weber vielen Dank für diese spannenden Einblicke!

00:34:39: Danke auch

00:34:40: wir danken Ihnen

00:34:41: Und ihn.

00:34:42: zu Hause möchte ich ganz dringend noch unsere anderen Folgen von sechzehn-zweiundfünfzig ans Herz legen.

00:34:46: Wir machen Ausflüge weit zurück in die Wissenschaftsgeschichte, wir sprechen darüber wie die eigene Zeitschrift die Leopoldina vor dem Ende bewahrt hat, wie sie sich über die Jahrhunderte ihre Freiheit bewahrtt hat und warum all das heute immer noch so wichtig ist!

00:34:59: Sie finden uns auf allen gängigen Podcastplattformen gerne liken abonnieren teilen und wenn sie noch Fragen haben muss sie sagen hey darüber sollten die mal reden in diesem Podcast dann schreiben sie uns gern eine E-Mail.

00:35:14: Wir freuen uns, von Ihnen zu lesen und wir freuen uns wenn Sie bald wieder rein hören.

00:35:17: Tschüss!

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